Die Zukunft des Eigenheims in Deutschland
Adieu Einfamilienhaus?
Das eigene Haus steht nach wie vor bei vielen Menschen ganz oben auf der Wunschliste. Im eigenen Haus zu leben, hat einige Vorteile. Man kann tun und lassen was man will (zumindest auf den ersten Blick), kann im Sommer den eigenen Garten genießen und tut gleichzeitig etwas für die Altersvorsorge.
Immer weniger Einfamilienhäuser
Noch in den 1970iger Jahren wurden in Deutschland rund 250.000 Eigenheime jährlich gebaut. In den Jahren 2022 und 2023 waren es weniger als 100.000. Gleichzeitig brachen die Baugenehmigungen für neue Häuser um über 60 Prozent ein. Und auch in den kommenden Jahren dürfte sich an dem deutlichen Rückgang wenig ändern. Der Traum vom Eigenheim wird in Deutschland zunehmend schwerer zu verwirklichen.
Haus am Stadtrand? Keine Chance.
Die Menschen zieht es weiter ungebremst in die Städte. Besonders hier ist der Wohnraummangel hoch und die Mieten steigen und steigen. Bauland ist in der Stadt oder im Speckgürtel knapp oder schlicht nicht mehr vorhanden. Und falls doch ist es für Normalverdiener unbezahlbar. Dazu kommen die gestiegenen Zinsen, hohe Energie- und Materialpreise, der Fach- und Arbeitskräftemangel sowie die insgesamt stark gestiegenen Baukosten. Zu letzteren hat auch die zunehmende Last von Bau- und Materialvorschriften beigetragen. Das hat zur Folge, dass im städtischen Raum schon heute - wenn überhaupt fast nur noch große Mehrfamilienhäuser mit kleineren Wohnungen gebaut werden.
Eigenheim contra Nachhaltigkeit?
Aber auch in kleineren Städten und im ländlichen Raum spielt der große Flächenverbrauch von Eigenheimen eine Rolle. Um die Versiegelung zu begrenzen, weisen einige Kommunen keine neuen Baugebiete mehr aus oder nur noch sehr begrenzt. Im Schnitt passen auf einen Hektar heute rund 25 Einfamilienhäuser oder Mehrfamilienhäuser mit rund 100 Wohnungen. Alleine durch die größere Gebäudefläche, die mehr benötigten Materialien und den Energieverbrauch ist der CO2 Verbrauch bei Einfamilienhäusern ebenfalls höher als bei Wohnungen, die neben- oder übereinander liegen.
Weniger Chancen, mehr Wandel?
Zwar werden deutlich weniger Einfamilienhäuser gebaut als noch vor wenigen Jahren, aber bei Neubauten sind energieeffiziente Häuser Pflicht. Diese Investitionen reduzieren langfristig die Betriebskosten, doch die hohen Anfangskosten bleiben.
Co-Living-Konzepte und Tiny Houses könnten für viele eine Antwort auf die steigenden Kosten sein. Besonders in Städten bzw. am Stadtrand, wo der Platz knapp ist, könnten neue Wohnkonzepte, wie Mehrgenerationenhäuser oder modulare Bauweisen flexible und kostengünstigere Lösungen bieten.
Das Ende des Eigenheims?
Der Traum vom Eigenheim bleibt, auch wenn kaum noch Einfamilienhäuser gebaut werden, und bei Bestandsobjekten zum Teil erhebliche Sanierungskosten anfallen. Dennoch erscheinen viele ältere Häuser noch vergleichsweise günstig, selbst wenn man die Kosten für eine energetische Sanierung miteinrechnet. Aufgrund der großen Nachfrage und dem kleiner werdenden Angebot, wird das aus unserer Sicht nicht mehr lange so bleiben. Auch im Bestand werden die Immobilienpreise wieder anziehen und der Markt noch enger werden. Deshalb ist unser Fazit: Wer den Wunsch nach einem eigenen Haus hat, sollte ihn möglichst bald in die Tat umsetzen.