Warum steigen die Immobilienzinsen, obwohl die EZB die Zinsen senkt?Und wohin geht die Reise?
Sie möchten im eigenen Haus oder der eigenen Wohnung leben? Oder Sie wollen mit einer eigenen Immobilie etwas für Ihre private Altersvorsorge tun? Wenn Sie nicht das nötige Kleingeld haben, werden Sie in beiden Fällen ein Immobiliendarlehen brauchen. Die Kosten des Darlehens sind auch von der Höhe der Zinsen abhängig. Deshalb fragen sich viele, was sie tun sollen: Warten oder Kaufen, und wie entwickeln sich die Zinsen?
Hoffnung EZB Zinssenkung
Anfang Juni hat die EZB das erste Mal seit vielen Jahren den Hauptrefinanzierungssatz gesenkt. Nach den gestiegenen Zinsen der vergangenen Jahre keimte bei vielen potenziellen Immobilienkäufern Hoffnung auf. Statt aber zu sinken, sind die Zinsen für Immobiliendarlehen nach der Zinssenkung durch die EZB gestiegen. Vielleicht fragen Sie sich auch, wie das eigentlich sein kann?
Hier sind einige Gründe:
1. Langfristige Refinanzierungskosten: Immobilienkredite laufen oft über viele Jahre oder Jahrzehnte. Banken orientieren sich bei den Konditionen solcher langfristigen Kredite weniger am kurzfristigen EZB-Leitzins, sondern eher an den Zinsen, die für langfristige Staatsanleihen oder andere langfristige Finanzprodukte gelten. Diese Zinsen können durch globale Marktentwicklungen steigen, auch wenn die EZB den Leitzins senkt.
2. Risikobewertung der Banken: Banken kalkulieren die Risiken für Immobilienkredite und passen ihre Zinsen entsprechend an. Wenn die wirtschaftlichen Aussichten unsicher sind oder Immobilienmärkte schwanken, können Banken höhere Zinsen verlangen, um sich gegen mögliche Zahlungsausfälle abzusichern – unabhängig davon, was die EZB tut.
3. Inflation und Marktbedingungen: Auch die Inflation spielt eine Rolle. Wenn Banken erwarten, dass die Inflation längerfristig hoch bleibt, könnten sie höhere Zinsen verlangen, um ihre Kaufkraft zu sichern. Zusätzlich können lokale Immobilienmärkte oder wirtschaftliche Trends die Nachfrage nach Krediten beeinflussen und somit die Zinssätze beeinflussen.
4. Gesamtwirtschaftliche Lage: Globale wirtschaftliche Unsicherheiten oder Krisen können ebenfalls Druck auf die Banken ausüben. Selbst wenn die EZB versucht, die Zinsen zu senken, um die Wirtschaft anzukurbeln, sind Banken in solchen Situationen oft vorsichtiger und verlangen höhere Kreditzinsen.
Was Sie auch wissen sollten: Die Höhe der Zinskondition wird auch davon bestimmt, wie hoch Ihr Eigenkapitalanteil ist, wie lange Sie die Laufzeit Ihrer Zinsbindung wählen, und wie die Bank die Kaufimmobilie bewertet.
Die Zinsen für Immobilienkredite sind seit ihrem Hoch im Herbst vergangenen Jahres schon spürbar gesunken. Momentan wechseln sich Phasen, in denen sie leicht steigen ab, mit Phasen, in denen die meisten Banken die Zinsen senken.
Wohin entwickeln sich die Zinsen?
Viele Experten rechnen damit, dass die EZB die Zinsen in diesem Jahr voraussichtlich noch mehrfach senkt. Bei den Bauzinsen sehen viele Baufinanzierer eher eine Seitwärtsbewegung. Das heißt, das Zinsniveau bleibt bis auf kleine Schwankungen mehr oder weniger gleich. Einige rechnen auch mit einem Rückgang des Bauzinsniveaus um 0,5 bis 0,7 Prozent. Was also tun: Warten oder kaufen?
Unsere Meinung
Es lohnt sich für Käufer nicht, auf mögliche Zinssenkungen zu spekulieren. Denn der Markt belebt sich wieder deutlich. Und das bedeutet, es sind wieder viel mehr Menschen am Immobilienkauf interessiert. Das hat zur Folge, dass die zuletzt gefallenen Immobilienpreise langsam wieder anziehen. Aber nicht nur das: Auch die Auswahl der angebotenen Objekte wird kleiner, denn auf ein Haus oder eine Wohnung kommen wieder mehr potenzielle Käuferinnen und Käufer. Während Sie vielleicht darauf warten, dass die Zinsen weiter sinken, wird Ihr Traumhaus an einen anderen Interessenten verkauft, oder die Kaufpreise steigen. Da die anteiligen Kaufnebenkosten abhängig vom Kaufpreis der Immobilie sind, steigen die gleich mit.
Auf eine Zinssenkung zu spekulieren, kann für Sie damit teurer werden, als gleich zu kaufen. Zumal das Angebot an Immobilien in Deutschland nicht unbedingt größer wird – im Gegenteil.