Die EZB senkt die Zinsen – und die Baufinanzierungen werden teurer? Was ist da los?
Die EZB drückt den Leitzins auf 2,5 % – klingt nach guten Nachrichten für alle, die ein Haus kaufen wollen, oder? Aber Moment mal: Plötzlich steigen die Bauzinsen? Wie passt das zusammen?
Warum steigen die Bauzinsen trotz Leitzinssenkung?
Das klingt paradox, ist aber eine Folge mehrerer Faktoren, die den Zinsmarkt aktuell ziemlich durcheinanderwirbeln.
Staatsverschuldung und Anleiherenditen:
Die Bundesregierung hat kürzlich umfangreiche Finanzpakete beschlossen, um Infrastrukturprogramme und Rüstungsinvestitionen zu finanzieren. Um das zu stemmen, nimmt der Staat neue Schulden auf und gibt dafür mehr Bundesanleihen aus. Wenn das Angebot an Bundesanleihen steigt, sinken ihre Kurse. Gleichzeitig steigen dadurch die Renditen dieser Anleihen, weil Investoren nun höhere Zinsen verlangen, um ihr Geld in Staatsanleihen anzulegen. Banken refinanzieren Immobilienkredite unter anderem über den Anleihemarkt. Wenn die Renditen 10-jähriger Bundesanleihen steigen, müssen Banken ebenfalls höhere Zinsen bieten, um sich Geld für langfristige Kredite zu leihen. Diese höheren Kosten geben sie dann an Kreditnehmer weiter – also an alle, die eine Baufinanzierung abschließen wollen. Das Ergebnis: Steigende Anleiherenditen führen zu höheren Bauzinsen, selbst wenn die EZB den Leitzins senkt.
Leitzins ≠ Langfristige Zinsen:
Der Leitzins der EZB beeinflusst in erster Linie kurzfristige Kredite – etwa Dispokredite oder variable Darlehen. Die Zinsen für Baufinanzierungen orientieren sich dagegen an langfristigen Kapitalmarktzinsen, insbesondere an den Renditen 10-jähriger Bundesanleihen. Wenn diese steigen, ziehen auch die Konditionen für Baukredite an, selbst wenn der Leitzins gesenkt wird.
Marktnervosität:
Die Finanzmärkte sind derzeit extrem nervös. Banken reagieren blitzschnell auf steigende Marktzinsen und schlagen diese fast sofort auf die Baufinanzierungszinsen drauf. Wenn die Zinsen dagegen fallen, dauert es oft deutlich länger, bis diese Senkungen bei den Kundinnen und Kunden ankommen. Warum? Banken kalkulieren Sicherheitsmargen ein, um sich gegen unvorhersehbare Schwankungen abzusichern.
Inflation und Zukunftserwartungen:
Auch die Inflation spielt eine Rolle. Wenn die Inflationsrate hoch bleibt, verlangen Investoren höhere Renditen, um den Wertverlust ihres Geldes auszugleichen. Selbst wenn die EZB also die Zinsen senkt, können steigende Inflationserwartungen die Bauzinsen in die Höhe treiben.
Kaufen oder warten?
Ganz ehrlich: Eine Immobilie nur wegen des Zinssatzes nicht zu kaufen, wäre zu kurz gedacht. Was zählt, ist das Gesamtpaket:
💰 Eigenkapital: Mehr ist besser – das drückt den Zinssatz.
🏠 Energieklasse: Je effizienter das Haus, desto besser die Konditionen (Klasse H? Manche Banken winken da schon ab).
📈 Förderungen: Wer sich gut informiert, kann durch staatliche Zuschüsse ordentlich sparen.
Was passiert mit den Preisen?
Die Nachfrage steigt – vor allem, weil Mietpreise explodieren und zu wenig gebaut wird. Gute Objekte gehen oft zum Exposépreis weg oder landen gar nicht mehr auf den großen Portalen. Der Markt ist angespannt und sinkende Preise? Eher unwahrscheinlich.
Was können Sie tun?
Frühzeitig beraten lassen: Eine gute Finanzierungsberatung kann Gold wert sein.
Wenn Sie mit dem Gedanken spielem, ein Haus oder eine Wohnung zu kaufen, lassen Sie sich nicht von kurzfristigen Zinsbewegungen abschrecken. Am Ende zählt, dass Sie sich die Immobilie langfristig leisten können – und dass sie zu Ihren Plänen passt.